bluff portrait

ein haus in der provence -  "Ein ort mit hingabe und grossem sinn für schönheit"

Wer hat noch nicht von einem Haus in der Provence geträumt?

Bei Maria Kühnen und ihrer Familie war es anders. Eher zufällig sind sie an dieses Bijou in der Nähe von Avignon gelangt. Um 1760 wurde es erbaut und war anfangs Teil eines Klosters. Später wurde es in eine Papierfabrik umgewandelt. Vor vier Jahren haben es Maria und ihr Mann der letzten Besitzerfamilie abgekauft. 

Seither hat Maria viel gewirkt und bewirkt im Haus. Die Malerin, Raumgestalterin und Seminarleiterin kann hier ihre Leidenschaften vereinen und sich voll entfalten. Gabriela Nay, Inhaberin von bluff interior & colour design, hat Maria in die Farbwelt von Farrow&Ball eingeführt. Im Gespräch mit bluff sagt Maria, wie sie seither mit den Farrow&Ball-Farben arbeitet und wie sie das Haus in der Provence zu neuem Leben erweckt hat.

Das 1760 erbaute Haus der Familie Kühnen liegt nördlich von Avignon.

Bluff: Maria, ihr habt das Haus in der Provence vor vier Jahren gekauft. Was habt ihr seither daran gemacht?

Maria: Viel! Das Haus hatte ein Feuchtigkeitsproblem. Es liegt nördlich von Avignon mitten im Rhone-Gebiet. Ein Fluss läuft durch das Grundstück. Das ist zwar schön, idyllisch und gut für den über 2-Hektar grossen Garten, aber ein Nachteil für das Haus. Wir mussten deshalb vorerst eine Drainage legen und Horizontalsperren durch Injektionen in den Grundmauern vornehmen. Wir haben zudem alle Wände im EG von den alten Farbschichten befreit, so konnten die Wände wieder atmen. Diese Grundarbeit haben wir Profis überlassen. Ich habe da und dort aber Testbereiche gemacht und mich Schicht für Schicht durchgearbeitet, um zu sehen, ob nicht irgendetwas hervorkommt, das ich hätte stehenlassen wollen. Aber da war leider nichts ausser vielen Acrylfarbschichten. 

Weiter haben wir das Dach komplett neu gemacht und da und dort alte Balken ausgetauscht. Zudem haben wir drei von fünf Bäder saniert. Und natürlich habe ich in den letzten vier Jahren viel gestrichen!

 

Du streichst alles selber. Weshalb überlässt du das nicht den Malern?

Weil ich es besser kann (schmunzelt). Ich traue den Malern nicht (lacht). Ich gehe da wie eine Künstlerin ran und bin extrem pingelig. Bei mir wird nichts abgeklebt, ich mache alles freihand. Diese Hingabe und Aufmerksamkeit ist in meinen Augen spürbar. Ich verwende wegen der Feuchtigkeit im Erdgeschoss ausschliesslich Kaseinfarben (1 s. Details dazu am Ende), verdünne diese und trage sie in fünf bis sieben Schichten jeweils flächig auf. Also ähnlich wie in der Ölmalerei. So kommt das Licht durch die Schichten, bricht sich an der Grundierung und strahlt zurück. Dadurch entsteht eine unglaublich tiefe Leuchtkraft.

 

Wie bist du auf diese Technik gekommen?

Farben haben mich schon immer begeistert. Deshalb habe ich auch Malerei studiert. Die Leuchtkraft und die unglaubliche Tiefe, die man zum Beispiel mit der Lasurmalerei herstellen kann, und die Farbkompositionen – all das fasziniert mich sehr. Wenn man zum Beispiel Bilder von Rembrandt studiert. Diese Schatten wirken so tief, weil bis zu 80 Ölschichten drauf sind. 

 

Weshalb verwendest du Farben von Farrow&Ball?

Ich arbeite schon seit ein paar Jahren mit den Farrow&Ball-Farben. Mir gefallen die Farbtöne sehr gut. Sie passen zu meinem Geschmack und zu meinem Stil. Das pudrige und die unglaubliche Strahlkraft beeindrucken mich. Und auch, dass einige Töne, zum Beispiel die blauen oder grünen, nicht einfach blau oder grün sind, sondern immer etwas dazwischen oder knapp daneben liegen. Die Farben kommunizieren miteinander und ergänzen sich gut. Ich kann damit künstlerisch arbeiten - das befriedigt mich sehr.

 

Wie bist du auf die Farrow&Ball-Farben und auf bluff interior & colour design gekommen?

Freunde von mir haben Farrow&Ball verwendet und ich habe nach Kaseinfarben gesucht, welche gut mit der Feuchtigkeit umgehen können. So habe ich einfach mal gegoogelt und herausgefunden, dass bluff interior & colour design Farrow&Ball-Farben in allen Qualitäten anbietet. Gabriela Nay hat mich in die Farbwelt von Farrow&Ball eingeführt und mich sehr persönlich und professionell beraten. Mit ihr hat man einen wirklich erfahrenen und inspirierenden Farbprofi an der Seite. Die Zusammenarbeit mit ihr hat mir grosse Freude gemacht und mir den Einstieg enorm erleichtert.

 

Wie gehst du vor bei der Auswahl der Farben?

Ich gehe Raum für Raum vor, stehe mit dem Farbfächer im Raum und schaue, was für Farben um mich herum sind. Zum Beispiel die Bodenfarbe. Ich überlege mir, was für eine Stimmung ich erzeugen möchte und für was und von wem der Raum benutzt wird. Bei diesem Prozess ist es wichtig, dass man sich von Vorlieben befreit und alles Gewohnte in den Hintergrund stellt. Und schlussendlich beziehe ich auch die Raumatmosphäre und das Licht mit ein. 

 

Welchen Tipp kannst du geben, wenn man das erste Mal Farben auswählt?

Man sollte sich als erstes überlegen, welche Farben einem wohltun. Man kann dazu zum Beispiel ein Moodboard erstellen und blind sammeln, was gefällt und anspricht. Dann sollte man sich überlegen, welche Stimmung man im jeweiligen Raum erzeugen möchte. Dabei sich aber noch nicht unbedingt auf die Farben festlegen. Der Ort, das Licht und die Architektur sollten auch miteinbezogen werden. 

Zudem finde ich es wichtig, dass man qualitativ hochwertige Farben benutzt. Es gibt da wirklich wahnsinnig grosse Unterschiede bezüglich der Deckkraft, der Leuchtkraft und der Langlebigkeit. Die Farrow&Ball-Farben erfüllen alle diese Anforderungen perfekt.

 

1 CASEIN DISTEMPER von Farrow&Ball ist eine abwischbare, verstärkte Leimfarbe mit Kaseinzusatz. Geeignet für verputzte Innenwände und -decken. Sie bietet ausgezeichnete Deckkraft und ist sehr atmungsaktiv. Erhältlich in allen Farrow&Ball-Farben, ausgenommen 273. 

Interview: Christa Brunhart

"Die "Bibliothèque des Âmes". Jeder Mensch, der an diesen Ort kommt, bringt bei seinem Besuch ein für ihn persönlich bedeutsames Buch mit und so wächst nach und nach eine besondere Bibliothek heran. Die Wände hier habe ich bewusst etwas dunkler gehalten, um dem Raum eine warme, gemütliche und eher einhüllende Atmosphäre zu geben. Die Sessel habe ich speziell für die Bibliothek entworfen, von einem Gestellbauer konstruieren lassen und anschliessend wurden sie von einer Freundin im Rahmen ihrer Meisterprüfung gepolstert - eine echte 'win-win'-Situation also. Das helle Grün ihrer Lehnen suchte ich als leuchtenden Farbakzent für diesen Raum aus."

"Den Tisch, ein Gio-Ponti Nachbau, haben wir Second Hand gefunden und zum Waschtisch umfunktioniert. Die vorhandene Marmorplatte obenauf und die Farbe des Kalksteins, den wir für die Waschbecken ausgesucht haben, führten mich dann zur Wahl des 'Hague Blue', mit dem ich den Tisch lackierte. Darauf Bezug nehmend, wählte ich anschliessend das Muster und die Farbgebung der Fliesen aus. Erst als die Fliesen verlegt und der Waschtisch installiert waren, suchte ich dann vor Ort mit Hilfe des Farbfächers nach denjenigen Farbtönen, die aus meiner Sicht das Bad vervollständigen könnten. Dabei entschied ich, die Decke dunkler als die Wände zu gestalten und farblich ein Stück herabzuziehen. Einerseits, um die schöne Hohlkehle zu betonen und andererseits, um den Raum, der gemessen an seiner Grundfläche sehr hoch ist, optisch etwas niedriger erscheinen zu lassen."

"Mein Lieblingsplatz im Haus: An Wintermorgenden eingekuschelt in eine warme Wolldecke und mit einer Schale Café au lait in der Hand hier auf dem Sofa sitzen und den Blick in die Weite der Landschaft bis hinüber zur grossen Trauerweide schweifen lassen...

Und manchmal gibt es dann diese magischen Momente, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Bodennebel tanzen lassen. Wunderbar."

 

 

"In der Küche ist eine 16 Jahre alte einfache Ikea-Einbauküche, die wir erst einmal gelassen haben, weil wir das Haus zunächst richtig kennenlernen und bewohnen wollten, bevor wir grössere Eingriffe vornehmen. Allerdings haben wir gründlich Hand angelegt und alle Einbauschränke, wie auch die Deckenbalken mit 'Mizzle' lackiert. Wände und Decke haben wir in 'Pointing' gestrichen, was dem Raum je nach Lichteinfall einen Ton von Cremeweiss  bis hellem Apricot verleiht."

"Eine besondere Funktion in der Farbgestaltung hat hier der Heizkörper: Sein tiefdunkles Rot setzt für mich einen eleganten Akzent zu den Grautönen der Wände und harmoniert mit dem komplementären Grün der Zementfliesen."

"Hier zeigt sich mein Hang zu kleinen, verspielten Details. Ich liebe es, kleine und gern auch etwas schräge oder skurrile Dinge an (auf den ersten Blick) ungewöhnlichen Orten zu platzieren. Sie sind für mich wie augenzwinkernde I-Tüpfelchen, die den Ort bereichern. Und für die Menschen, die den Ort besuchen, gibt es so immer wieder etwas (neues) zu entdecken." 

"Das Büro. Da dieser Raum trotz seiner Fenster stets eher dunkel ist, wollte ich diesen Charakter aufnehmen und verstärken. Auch aufgrund der vorhandenen, eher kühlen Bodenfliesen, hätte mit einer hellen Wandfarbe schnell eine ungemütliche  'Wartezimmeratmosphäre' entstehen können. Darüber hinaus handelt es sich hier um das Büro meines Mannes - und die Leitidee war, ein 'Herrenzimmer' zu gestalten."

"Bestimmend für das Bad ist hier ist der Farbklang aus dem Aubergine-Ton (den ich, da er so in der Farbpalette von F&B nicht zu finden war, aus 'Brinjal' und 'Mahogany' gemischt habe), dem gelblichen Cremeweiss der Wände und dem Grünblau der Bodenfliesen. Die Tür-und Fussleisten in strahlendem 'All White' setzen einen frischen Akzent dazu."

"Die Farben im Seminarraum sind absichtlich sehr dezent gewählt, um einen freundlichen, warmen und zurückhaltenden Hintergrund für das zu bilden, was dann jeweils darin stattfindet. Der Text ist ein Gedicht von Rilke, den ich aus alten Werbebuchstaben vom Flohmarkt  gesetzt und direkt auf die Wand geklebt habe.

Das Gedicht lautet: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang."

"Me-at-work"